Kirchgesang oder „Lobet den Herrn reloaded“

Kirchgesang oder „Lobet den Herrn reloaded“

Mal ganz ehrlich: Wann habt Ihr das letzte Mal „Jesu meine Zuversicht“, mit Inbrunst in ein gotisches Tonnengewölbe geschmettert? Wann habt Ihr das letzte Mal ergriffen gelauscht, wie eine enthusiastische Gemeinde aus „Lobet den Herrn“ einen volltönenden Gänsehaut-Choral gezaubert hat? Man könnte sogar noch einen Schritt zurück machen und fragen: Wie viele Kirchenlieder habt ihr oder eure Freunde überhaupt in den letzten zehn Jahren gesungen, von religiösem Eifer mal ganz zu schweigen?

Ist es nicht eher so, dass die liebe Gemeinde, bei Hochzeiten hektisch im Gesangbuch blättert, als wäre es ein medizinisches Fachbuch – außer man hat ihnen die Texte der Lieder freundlicherweise ins Kirchenheft für diese Trauung geschrieben? Ist es nicht viel eher so, dass die meisten Lieder außer vielleicht „Danke für diesen guten Morgen“ (in der peinlichen, verstümmelten Hochzeitsversion „Danke für diesen Hochzeitstag“) und dem oben genannten „Lobet den Herrn“ beim Großteil der Anwesenden schiere Panik auslöst? „Sch… hoffentlich merkt keiner, dass ich nur die Lippen bewege und nicht den Schimmer einer Ahnung habe, was die Noten (so vorhanden) von mir wollen!“ Ok, „Großer Gott wir loben Dich“ und „Herr, Deine Liebe“ vermögen vielleicht noch das unterschwellige Gefühl eines Gruppengesang zu erzeugen, aber dann ist auch bald Schluss.

Versteht mich nicht falsch, ich persönlich bin ein großer Fan einiger Kirchenlieder und die Melodie von „Lobet den Herren“ gehört für mich zu den Jahrtausendhits. Das Dumme ist nur, wenn keiner mitsingt und der oder die PfarrerIn am Mikro nicht ungewöhnlich stimmbegabt sind, klingen diese zum Teil wunderbaren Melodien mehr wie eine Parodie ihrer selbst.

Deshalb mein Fazit: „Gehet hin und erlöset uns!“ Überlegt genau, wie viel Ihr euren Leuten zutraut, respektive zumutet. Lebt Ihr in einer aktiven Kirchengemeinde können diese Lieder wirklich erhebend sein. Seid Ihr, oder Eure Gäste aber, wie die Meisten heutzutage, eher sporadische Kirchgänger, denkt quer! Lasst jemanden singen, der sich mit sowas auskennt (mich zum Beispiel). Lasst den Organisten (wenn er was kann) einen leuchtenden Bachchoral instrumental orgeln. Fragt nach dem heimischen Kirchenchor (wenn dessen Altersdurchschnitt unter Hundert liegt). Aber, um Gottes willen (hier passt es mal hin), erspart uns das quälende Geleier unmotivierter Nichtsänger! Fordert Eure Pastoren zum Brainstorming wie man diese Klippe der nagenden Langeweile fröhlich umschifft! Oder, um es mit den Worten eines schönen Kirchenliedes zu sagen: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“

L.

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