Catering oder „Currywurst DeLuxe“ Teil I

So ganz genau weiß ich nicht mehr, wann die Jahrhunderte alte Tradition des „Festessens“ vom modernen „Buffet“ zu einem randständigen Anachronismus verdampft wurde. In meiner Jugend (und das ist länger her als gut für mich ist) gab es jedenfalls noch Suppe mit Bienenstich, Braten mit dunkler Sauce, Böhnchen, oder Erbsen und Möhrengemüse und – ganz edel – Herzoginkartoffeln oder Kroketten. Nun kann man streiten, ob die Krokette nur der ernährungsphysiologische Monsterzwilling des Kartoffelbreis ist, sicher ist – das gibt es nur noch in meist sehr abgelegenen Landgasthäusern mit anhängendem Schützenverein und Spielmannszug (jetzt darf ich micht mehr nach Voßheide trauen…).

Irgendwann gab es denselben Kram dann, ganz im Zeitgeist der Mobilität und Lockerheit, in Warmhalteschüsseln (Fachjargon “Chafies“, von „Chafing-dish“, verballhorntes Französisch von „chauffer“ – erhitzen ist, auch „Rechaud“ genannt). D tunie genau das, sie halten Dinge lauwarm. Die Zeiten von dampfendem, heißem Essen waren passé und damit einher ging, in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, der Siegeszug des Kartoffelgratins. Klebrig, fettig, aussen kalt innen brüheiß und liegt im Magen wie eine Fahradkette. Kroketten gab es plötzlich nur noch bei Omma und die auch nur aus der Tiefkühltruhe. Der Braten als solcher hielt sich länger, aber nur in der Beliebtheit bei den Köchen, nicht auf der Warmhalteplatte.

Ein Buffet hat unzweifelhaft seine Vorzüge, Personal ist heute teuer und wenn drei Personen 110 Gäste am Tisch bedienen sollen, ist die Pampe genauso kalt wie die Auslegeware in den Rechauds. Jeder kann seine Essensmenge individuell steuern und meine Frau als Vegetarierin erspart sich demütigende Diskussionen mit den Kellnern: „Ach, sie essen kein Fleisch? Na ich könnte ihnen Hühnchen bringen!“ Einige Jahre lang war es so, dass die Suppe noch zum Tisch gebracht wurde und der bekannte Rest, Popo-warm in einem Nebenraum stand (im günstigen Fall, denn in den Sälen wurde ja noch geraucht). Dann, als in den Neunziger italienische Finesse die gastronomische Vorherschaft der Hackfleischorgien beim Griechen oder Jugoslawen brach – kam die Buffetrevolution.
Jetzt wurde den jungen Paaren, von kreativen Gastronomen, etwas ganz neues und gewagtes vorgeschlagen: Das mediterrane Buffet! Meine Frau verteidigt diese Idee immer. Das ist ja auch kein Wunder, für den Durchschnittswestfalen sieht es aus wie Schonkost in Bad Senkelteich, aber für sie ist es endlich mal eine breite Auswahl an Erlaubtem.

Hierzu gibt es eine Fortsetzung!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s